
Künstler:innen im Arthotel Blaue Gans

Jonathan Meese
Meese wohnte 2010 vier Wochen in der Blauen Gans, während er am Bühnenbild für die Uraufführung von Wolfgang Rihms Oper „Dionysos“ bei den Festspielen arbeitete. Sein Porträt im Haus zeigt denselben radikalen Zugang, mit dem er auch über seine Kunst spricht: „Kunst ist eine Befehlszentrale, keine Bittstelle.“

David Moises
Moises glaubt an ein mexikanisches Sprichwort, wonach jeder Gegenstand sieben Leben hat. Skier werden bei ihm zu Hockern, Wasserkessel zu Raketen. Seine kinetische Skulptur „Vertigo“ sollte 2011 zur Festspieleröffnung zwanzig Meter hoch fliegen und schaffte am Ende nur einen kleinen Hopser mit lautem Geräusch. Heute steht sie als Erinnerung an dieses herrliche Scheitern im Kräutergarten.

Julius Deutschbauer
Seit 1997 betreibt Deutschbauer die „Bibliothek ungelesener Bücher“: Er fragt Menschen, welches Buch in ihrem Regal steht, das sie nie gelesen haben, kauft es an und archiviert das Interview dazu. Für die Blaue Gans schuf er die Arbeit „Nur die Blaue Gans kommt in Betracht“, ein Titel, der aus Alfred Kubins Roman „Die andere Seite“ stammt.

Sissa Micheli
Micheli bezog für ihre Arbeit „Schwebende Versuche“ die Maisonette im obersten Stock des Hauses. Sie lieh sich von jeder Person im Haus, von den Köchen bis zum Hotelbesitzer, fünf persönliche Gegenstände und richtete sich damit ein eigenes, sehr privates Zimmer ein, das Gäste seither besichtigen können.

Constantin Luser
Der studierte Industriedesigner aus Graz baute für das Erdgeschoss der Blauen Gans eine Sounddusche. „Sie ermöglicht es, das, was man imstande ist, hineinzupusten, direkt zu einem zurück zu leiten“, sagt Luser über sein Instrument, durch das Luft strömt und wieder auf den Bläser herabrieselt.

Alfred Kubin
Kubin besuchte zeitweise das Gymnasium in Salzburg und beeinflusste mit seinem Schreiben nachweislich Franz Kafka. In seinem Roman „Die andere Seite“ lässt er eine Figur sagen: „Nur die Blaue Gans kommt in Betracht“, ein Satz, der bis heute wie ein literarischer Ritterschlag für das Haus klingt.

Maurizio Cattelan
Der italienische Enfant terrible der Gegenwartskunst ist mit einem Werk vertreten, das keine Interpretation offenlässt: einem ausgestreckten Stinkefinger, mehr als bloßer Hingucker, ein antifaschistisches Manifest.

Joseph Beuys
Patrick Ebensperger, künstlerischer Berater des Hauses seit 2004, erinnert sich, dass ihm sofort klar war, welchem Ort im Haus eine Arbeit von Joseph Beuys zugeführt werden musste, als er zum ersten Mal darauf stieß.

Brigitte Kowanz
Kowanz, deren Lichtinstallation im Haus hängt, schuf auch ein öffentliches Werk an der Salzburger Staatsbrücke, im Rahmen des Walk of Modern Art, das an die Zwangsarbeiter erinnert, die am Brückenbau im Zweiten Weltkrieg beteiligt waren.

Sofia Goscinski
2008 ritzte Goscinski die Bezeichnungen psychischer Störungen aus dem Katalog der Weltgesundheitsorganisation in weiß lackierte Brettchen. Ein bewusst unbequemes Werk, das genau darin seine Kraft findet.

Sigfried Anzinger
In einer Arbeit aus Wasserfarbe und Bleistift zeigt Anzinger eine Madonna, die ihr Kind bereits am Kreuz liegend in den Schoß gelegt bekommt, das Gesicht zur Hälfte von einem roten Farbfleck bedeckt, und dennoch scheint sie zu lächeln.

Franz Blaas
Mit wenigen Strichen erzählt Blaas in kleinformatigen Zeichnungen ganze Geschichten. Sein „Periskop“ zeigt ein Strichmanderl, das sich sehnt, ohne ein einziges Wort zu benötigen.

Timm Ulrichs
Der selbsternannte Totalkünstler spazierte 1975 mit Blindenstock und einem Schild um den Hals durch die Kölner Kunstmesse: „Ich kann keine Kunst mehr sehen.“ Eine Kritik an der Kommerzialisierung der Kunst, die auch fünfzig Jahre später nichts an Schärfe verloren hat.

Helge Leiberg
Ab Silvester 1973 erklangen im damaligen Mexicano-Keller die Jazzkonzerte rund um Hausherr Adi Jüstel. Leibergs Bild fängt genau diese Stimmung ein, einen Saxofonisten in orangefarbener Aura, eine Tänzerin mit bananengelb umrandeten Konturen.

Benjamin Heisenberg
Heisenbergs bunter Automat im Haus dreht sich um Wurst, sein „Dürer-Hase“ rockt auf Knopfdruck zu den Klängen von „Black Magic Woman“, eine flauschige Performance mit eigenem Charme.