
Die frühesten Anfänge
Beginnen wir in der Römerzeit. Salzburg hieß damals Juvavum und das Gebiet, in dem sich heute die Blaue Gans befindet, war ein geschäftiges Handwerkerviertel. Dementsprechend turbulent geht es auch unter der Erde zu: bei einem Kelleraushub fanden wir jede Menge Münzen und Werkzeug. Terracotta-Scherben aus Kalabrien (!) zeigen, dass Salzburg schon damals auf einer Handelsroute in den Süden lag.

Ein Haus wird Teil der Stadt
Schon im 14. Jahrhundert stand hier ein Haus. Die Aufner – angesehene Kaufleute, Bergbauunternehmer und Bürgermeister – gehörten zu den bedeutendsten Bürgerfamilien Salzburgs. Die Geschichte der Blauen Gans beginnt um 1350 also nicht als Hotelgeschichte, sondern als Geschichte eines Bürgerhauses mitten im wirtschaftlichen Leben der Stadt.
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Zwei Hühner im Jahr.
1432 schenkte Martin Aufner das Haus als Herberge dem Salzburger Bürgerspital. Für dessen Nutzung waren später Abgaben zu leisten – darunter jährlich zwei Hennen. Die Geschichte des Hauses verbindet sich damit erstaunlich früh mit Gastlichkeit, sozialer Verantwortung und der Stadtgemeinschaft.
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Im Süden ist Rettung
Ihre Handelsreisen führten die Aufner nach Venedig, wo sie das Silber aus den Salzburger Bergen verkauften. Acht Tage dauerte der Weg über Tauern und Katschberg, über Pässe und durch Unwägbarkeiten. Zurück kamen sie nicht nur mit vielen Eindrücken, sondern auch mit Waren: Zitrusfrüchte, Gewürze, Wein, Olivenöl. Sie prägten die Küche der Stadt – und dieses Haus. Diese Offenheit wirkt bis heute nach. Das Motto unserer Küche: über den Tellerrand und über die Tauern nach Venedig und zurück.
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Seit 500 Jahren wird hier eingeschenkt.
Mit Niklas und Sigmund Hueber kamen 1516 Mitglieder einer Brauerfamilie ins Haus. Es ist wahrscheinlich, dass hier bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts Bier ausgeschenkt wurde. 1569 ist der Gasthausbetrieb erstmals eindeutig dokumentiert.

Warum ist die Gans blau?
Um 1600 erscheint erstmals schriftlich die Bezeichnung „bey der blauen Gannß“. Woher der Name wirklich kommt, wissen wir nicht sicher. Eine spätere Geschichte behauptet sogar, das ursprüngliche Tier sei ein blau schillernder Fasan gewesen, den die Salzburger kurzerhand – vielleicht spöttisch? – zur Gans machten. Auf jeden Fall hielt sich der Name über die Jahrhunderte durchgehend bis heute.
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Bevor es Spielstätten gab, spielte das Theater im Gasthaus.
Im 17. Jahrhundert war ein Gasthaus das soziale Netzwerk seiner Zeit. Das Festspielhaus war damals noch ein Stall, Cafés, Clubs und soziale Medien waren noch nicht erfunden, also waren Gasthäuser jene Orte, an denen die Menschen Unterhaltung fanden. In der Blauen Gans sollen sogar Komödianten, Wandertruppen und Puppenspieler aufgetreten sein.

Freunde von Mozart
Im 18. Jahrhundert lag die Gans mitten in einer erstaunlich kleinen Welt aus Hofmusikern, Studenten, Wirten und Kaufleuten. Im Umfeld des Hauses lebten Musiker des fürsterzbischöflichen Hofes; sogar Personen aus dem Freundeskreis der Familie Mozart tauchen in der Hauschronik auf. Ein Bewohner des Nachbarhauses, Johann Paul Huetterer, erscheint in einem Mozart-Brief sogar liebevoll als „Huatara“, und nach Franz de Paula Däubl, den Mozart in 18 Briefen erwähnte, ist das Haus am Herbert-von-Karajan Platz 4 („das Däublhaus“) benannt.
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Vor der Haustür entsteht die moderne Stadt
Mit dem Bau des Neutors 1764–1767 bekam die Gegend eine völlig neue Bedeutung. Arbeiter und Bergknappen schlugen sich Tag und Nacht durch den Mönchsberg. Der Steinbruch gegenüber wurde aufgegeben, die Stadt auf die andere Seite des Mönchsbergs erweitert. 135 Meter Tunnel. Tag- und Nachtarbeit. Und das nächste Wirtshaus stand praktischerweise gleich daneben, für das wohlverdiente Feierabend-Bier.

Seit 1920 liegt zwischen Bett und Bühne nur noch ein kurzer Spaziergang
Mit der Gründung der Salzburger Festspiele im Jahr 1920 verändert sich das Viertel grundlegend. Aus dem ehemaligen Hofmarstall entsteht Schritt für Schritt eines der wichtigsten Festivalzentren Europas. Stefan Zweig beschrieb Salzburg damals als künstlerische Hauptstadt – und in den Hotels wurde um Zimmer gekämpft. Die Blaue Gans lag plötzlich nicht mehr nur in der Altstadt, sondern direkt im Festspielbezirk.
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Der Freigeist Alois Grasmayr
1919–1930er Jahre: Alois Grasmayr, Besitzer der Blauen Gans, wurde vom ärmlichen Volksschullehrer zum Unternehmer, Weltreisenden, Faust-Spezialisten und Kunstsammler. Zeitgenossen nannten ihn den „Faust vom Mönchsberg“ und den „barfüßigen Millionär“. In seinem Haus am Mönchsberg verkehrten Persönlichkeiten wie Hermann Bahr, Stefan Zweig und Anton Faistauer; außerdem sammelte Grasmayr früh Arbeiten von Egon Schiele.
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Alfred Kubin – die Blaue Gans als Literaturort
Der Künstler Alfred Kubin verbrachte einen Teil seiner Jugend in Salzburg. In seinem fantastischen Roman „Die andere Seite“ lässt er die Hauptstadt seines Traumreichs „Perle“ deutlich an Salzburg erinnern – und die Blaue Gans erscheint darin mehrfach als konkreter Schauplatz. An einer Stelle heißt es sogar: „Nur die Blaue Gans kommt in Betracht.“ Heute ist diese Verbindung wieder Teil des Hauses: Eine Originalzeichnung Kubins befindet sich in der Kunstsammlung der Blauen Gans.
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Jazz im Keller – eine neue Szene für Salzburg
In den 1970er Jahren machte der damalige Pächter Adolf Jüstel den historischen Keller der Blauen Gans zu einem wichtigen Jazz-Ort. Dort entstand eine für Salzburg neue Szene, in der Musiker wie Fatty George und Oskar Klein auftraten – und sogar Ella Fitzgerald in der Blauen Gans zu Gast war. Bevor der Jazz in Salzburg selbstverständlich war, spielte er im sogenannten Mexicano-Keller der Blauen Gans.
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Aus der Gans wird ein Arthotel
1997 kam die Betriebsführung wieder an die Eigentümer zurück. In mehreren Umbauphasen wurden Hotel, Restaurant und Infrastruktur erneuert. 2002 legte man den historischen Innenhof wieder frei und öffnete zugemauerte Arkaden. Gleichzeitig entstand die Idee einer eingetragenen Marke, die des Arthotels: historische Substanz nicht museal zu konservieren, sondern mit zeitgenössischer Gestaltung und und Gegenwartskunst weiterzuführen.





















