I.A. MOZART



Irene Andessners Hauptthema ist seit 1988 das Selbstporträt, das sie ursprünglich in Form von Malerei und ab Mitte der 90er Jahre in Tableaux Vivants, Foto- und Videoinszenierungen umsetzt. Die Selbstinszenierung mit Rollenspiel tritt an die Stelle des gemalten Selbstporträts. »Nachbilder« von Kunst- und zeitgeschichtlichen Vorbildern entstehen, auch heilige und fiktive Personen sowie moderne Mythen (Marlene Dietrich).

 

Das Bild der Frau, der sie ihr wandelbares Gesicht leiht, »ist immer fiktiv - in den Augen des Betrachters wie der Gesellschaft« (Andessner). Nicht »I was«, sondern »I AM« (wie sie ihr Produktionsteam nennt) ist das Motto der Künstlerin.

 

Unsere Maisonette-Suite stand Andessner im Mozartjahr 2006 für das Verwandlungsprojekt »I.A. Mozart(?)« zur Verfügung, im Zuge dessen auch dieses Mozart Portrait entstand. Das Fragezeichen im Projekttitel steht für die in Klammern gesetzten Fragezeichen in Bildunterschriften, die Unsicherheiten bezüglich Datierung, Identität der dargestellten Person oder des Malers eines historischen Künstlerporträts anzeigen.

 

Dies trifft auf viele sogenannte Mozart-Porträts zu, so auch auf das 1785 von Joseph Grassi gemalte «Porträt eines Mannes (Mozart?)» oder auf das 1819 von Barbara Krafft posthum gemalte «Mozart»-Porträt im roten Rock, die Andessner nachinszeniert hat. In diesen Arbeiten wie auch im zuletzt realisierten «Selbstportrait nach Mozart 3» reflektiert Irene Andessner das fragliche, wechselhafte Bild, das sich die Gesellschaft von Mozart (wie von Künstlern generell) über die Zeiten hinweg macht — die Bilder, in deren physiognomischen und charakterlichen Identifikationen sich vielmehr die zeitgeistgebundenen Interpreten als der vorgeblich Dargestellte vermitteln. Der Gedanke der Identifikation des Darstellenden mit dem Dargestellten drückt sich in Irene Andessners Werktitel aus, der sich mit ihren enthaltenen Initialen (I.A.) wie die Frage «I am Mozart» liest.