Die Anfänge der Getreidegasse


1150

erste urkundliche Nennung der Getreidegasse. »Tragasse«: So hieß diese Hauptverkehrsader in ältester Zeit, bis in Wolf Dietrichs Zeiten die einzige Durchzugsstrasse der Stadt, die Strasse der Bürgermeister und Stadträte, der Saumhändler und Handelshäuser, der hochfürstlichen Pfleger und Richter, der Gewerken und Münzer.

 

Fast alle geschichtsträchtigen Familien hatten hier ihren Sitz. Hofmusiker wie Franz Heinrich Biber oder Leopold Mozart waren hier höchstens Untermieter. Wohlstand und Glanz eines kleinen Fürstentums spiegelte sie wider. Die Bauten waren der Reihe nach im 14. Jahrhundert errichtet worden. Die Inhaber mussten an den Eigentümer St. Peter die Novalstift (novalium = Neubruch) zahlen.

 

Um 1350 Gründung des Hauses durch die Aufner


1343

Ruprecht Aufner scheint erstmals urkundlich auf, wahrscheinlich ist er der Bauherr des Hauses Nr. 43. Er war Bürger der Stadt Salzburg, sogar Ritter und als Kaufmann besass er auch das nötige Kleingeld (die Familie verfügte noch über eine Handvoll Häuser in der ganzen Stadt). 1381 und 1383 erledigte er »weise und vest« auch das Amt des Bürgermeisters.

 

1350

in einem Urbar des Bürgerspitals heisst es 1360 an einer Stelle: »zanachst an Martin des Aufners Haws«.  Sein Sohn Martin d.Ä. besass als Gewerke Gründe und Bergrechte in Gastein und Rauris, wo er auch als Bergrichter und Wechsler im Dienste des Erzbischofs stand. Als einer der ersten exportierte er Arsenik nach Venedig, in dessen Banken er sein Kapital anlegte.

 

1428

erwirkte Martin Aufner bei Abt Jörg einen »Verlaubbrief« für ein Türl in den Frauengarten. (Heute Herbert-von-Karajanplatz).


1425

Martin Aufner überliess zunächst nur die Rendite dem Bürgerspital, 1432 übertrug er das Haus zur Gänze der sozialen Stiftung. »Sicher nicht aus wirtschaftlichen Gründen haben diese schwerreichen Patrizier unser Haus abgestossen, sondern aus purer Mildtätigkeit.«  Bis ins 18. Jahrhundert gehörte es so grundrechtlich zum Spital, dass es »zu Erbrecht verleiht«, gegen die Abgabe von 10 Pfund Pfennigen und jährlich zwei Hennen.


Der Name Blaue Gans.


 

Warum Blaue Gans ? »… In den alten Salzburger Chroniken, die vom Bauernkrieg des Jahres 1525 erzählen, wird von einem Bürgersmann berichtet, der während der Beschiessung der Veste keck über den Platz ging, der heute Sigmunds–platz heisst. Und just vor dem »Fasan« verfing sich eine Kanonenkugel, die von oben kam, im bauschigen Mantel des Bürgers, ohne ihm weiteren Schaden anzutun. Ein Glücksfall, der wert befunden wurde, vermerkt zu werden und dem wir auch die Kenntnis verdanken, dass die Gans auf dem Sigmundsplatz eigentlich ein Fasan sei.« … »Jedoch der Künstler mochte das Konterfei dieses fremden Getiers noch so lebenswahr hingemalt haben, für den Bauern, der es nicht kannte, war und blieb es eine Gans – eine blaue Gans.« (Ernst Frisch in der »Salzburger Zeitung« 28.II.1944).

 

Den Wirtshausschild, eine aus Blech geschnittene Gans im Blattkranz, datiert die »Österreichische Kunsttopographie« (1914) in den Anfang des 19. Jahrhunderts, den schmiedeeisernen Arm- mit reichem Spiralgitter – »um das Jahr 1600«. Er ist einer von zwei Originalen in der Getreidegasse.


1601

erwarb Johann Sprintzenperger das gesamte Haus, in dem er schon vorher gewohnt und den Gastbetrieb innehatte. Ab dieser Zeit steht zweifelsfrei auch der Hausname fest, der über 400 Jahre bis in die Gegenwart Bestand hatte. Bis dato frühester Beleg für den heutigen Hausnamen bleibt ein Eintrag im »Municipal Register 1434–45«, von einer »Schreiberhand« um 1602! 

Freundschaft zur Familie Mozart


1780

bewohnte Johann Paul Huetterer, als Hofviolinist ein Freund Mozarts, das Haus. Bei Wolfgang A. Mozart heisst er der »Huatara«, der – so im Brief 1780 aus München – statt seiner die »Thresel« küssen soll. (Anm.: vielleicht Gilowsky oder Barisani, wenn nicht das treue »Kuchlmensch«, das den Wolferl abgöttisch liebte, gemeint ist).

 

1751 / 1752

Von der Kopfsteuer in den Jahren ist im »Deibl- oder Täubl-Haus« nur Franz de Paula Deibl, der Hofmusikus, erfasst. Deibl hatte den Hausanteil »gegen den Heuwaagplatz« geerbt (Herbert-von-Karajanplatz 4), was allerdings die miese Finanzlage des Musikers nicht wirklich zu sanieren vermochte. Sein »Hungergehalt« verantworteten die  Erzbischöfe, die den »Hofmusicus und hoch-fürstlichen Titular-Portier« mehr schlecht als recht entlohnten. Sein Verhältnis zur Familie Mozart war sehr eng: Nicht weniger als 18 Briefstellen (!) beziehen sich auf ihn. 

 

1783

verstarb Franz de Paula Deibl. Seine letzte Ruhestätte fand er im Petersfriedhof.

 




1920

erscholl auf dem Domplatz zum ersten Mal der »Jedermann«-Ruf; »Die ganze Stadt ist Bühne« (M. Reinhardt).

1935

Am 17. Jänner wurden »Blaue Gans« und das »Däublhaus« Franz und Juliana Pointner je zur Hälfte einverleibt (Urgroßeltern des heutigen Betreibers Andreas Gfrerer. Franz Poitner war seinerzeit Braumeister in der Stiegl-Brauerei gewesen).


1938

Das Landesverkehrsamt brachte ein Verzeichnis aller Beherbergungsbetriebe heraus. Die »Blaue Gans« verfügte demnach über 48 Zimmer mit 80 Betten. Das Einzelzimmer ohne Bad belief sich auf 1,80 bis 3,30 Reichsmark (Der »Goldene Hirsch« lag mit 2–4 Reichsmark etwas darüber).

 

 

Finis Austriae


Am 12. März 1938 überschritten deutsche Truppen die Grenze. Adolf Hitlers Einzug am 6. April in Salzburg wird als »triumphal« beschrieben. »Für uns kommt a neuche Zeit«, jubelte der Heimatdichter Otto Pflanzl. Jüdische Geschäfte und ganze Häuser wurden arisiert, ihre Besitzer verschwanden in den Konzentrationslagern, sowie die politisch Andersdenkenden. Auf dem Residenzplatz wurden Bücher verbrannt.

 

»Es ist selbstverständlich, dass die Gastgewerbetreibenden bei Übertragungen von Reden des Führers und anderer führender Männer des Reiches, in der kalten Jahreszeit ihre Gastlokale auch den Volksgenossen gerne zur Verfügung stellen, die nicht in der Lage sind, etwas zu konsumieren.«

 

16.Oktober 1944

Der erste Bombenangriff traf gleich den Dom und in unmittelbarer Nähe der »Blauen Gans« auch das Bürgerspital und die Alte Münze in der Griesgasse, das Ursulinenkloster und das Museum wurden in Mitleidenschaft gezogen. »Zwischen Blasiuskirche und Sternbräu ein Schutt- und Trümmerfeld« (E. Marx).

 

4. Mai 1945 um 6 Uhr früh

Kapitulation durch Oberst Hans Lepperdinger. Panzer der 106. Kavallerie-Gruppe des XV. US-Korps rollten in die Stadt. Die offizielle Übergabe an die 

3. Infanterie-Division erfolgte im Hotel Österreichischer Hof.

 

Mai 1945

Ausgehverbot und beschränkte Öffnungszeiten für Gaststätten blieben aufrecht. Einzelne von ihnen, wie die »Blaue Gans«, durften am Vormittag ein einfaches Essen verabreichen. »Der Zugang zu diesen Gastwirtschaften ist derart stark, dass die Wirte Zu- und Abgang organisieren müssen« (Zeitzeuge Josef Hummel). Die »Blaue Gans« selbst diente als Truppenunterkunft für die Militärpolizei.

 

Wiederaufbau


1954 

übergaben Franz und Juliana Pointner die »Blaue Gans« an den Sohn Friedrich und dessen Frau Frieda, den Großeltern des heutigen Eigentümers. 

 

1973 

Verpachtung an Adolf Jüstel, der mit dem »Mexicano Keller« eine für Salzburg neue Jazz-Szene initiierte, in der Grössen wie Fatty George, Oskar Klein und sogar Ella Fitzgerald aufgetreten sind.

 

30.09.1997 

Ende des Pachtverhältnisses, am 1. Oktober 1997 wurde der Betrieb mit Hotel und Restaurant ohne Unterbrechung weitergeführt, wobei die Eigentümer die Betriebsführung dem älteren Sohn Andreas übertragen hatten.

 

1998

Erster großer Umbau, der vor allem das EG und die Restaurantbereiche, sowie einen Teil der Zimmer betraf. Sämtliche Verrohrungen, eine neue Lüftung, Wasserversorgung, Kanalanschluß etc. wurden neu hergestellt, und das Haus statisch verbessert - natürlich mit strengen Auflagen von Denkmalschutz und Feuerpolizei. Gestaltung: Axel Hupfauer.

 

1999

weiterer Zimmerumbau

 

2000

Erneuerung der Küche, Zimmerumbau

 

2002

Umbau des Hauses mit Entkernung des historischen Innenhofs und Freilegung der Arkadenbögen. Zimmerumbau. Gestaltung Axel Hupfauer. Andreas Gfrerer konnte sein Konzept "arthotel" verwirklichen. "arthotel" ist eine eingetragene und geschützte Marke. Durch die Umbauten der vergangenen Jahre konnte die Kategorisierung 4* erreicht werden.

 

2003

Gastgarten-Neugestaltung inkl. Asphaltierung der öffentlichen Fläche.

 

2005

Neugestaltung der Bar. Erste Zusammenarbeit mit Arch. Christian Prasser.

 

2007

Neugestaltung der Reception.

 

2008

Zimmerumbau Getreidegasse

 

2012

Unterkellerung des Hauses auf der Karajanplatz-Seite, 150 m² stehen nun zusätzlich für Abfallwirtschaftssystem, Haustechnik und für Mitarbeiterräume zur Verfügung. Einbau eines zweiten Aufzugs, um den Prinzipien der Barrierefreiheit zumindest einen Schritt näherzukommen.

Neugestaltung des Weinarchivs.

 

2012 -

laufende Sanierungen und kleinere Umbauten.

To be continued....